"Kork oder nicht Kork" - das Thema wird derzeit heiß diskutiert!

Uns hat hierzu ein Mail von Frau Angela Kühn vom Weingut Peter Jakob Kühn erreicht - Zum Thema "Edelstahlkronkorken"
Sicher haben die meisten noch wenig direkten Kontakt mit solchen Flaschen gehabt und können weniger aus Erfahrung sprechen. Eine der Fragen, die immer wieder auftaucht ist, weshalb sich bisher mehrheitlich für die Verwendung von Schraubverschlüssen entschieden wird.

Meine Meinung dazu ist die, dass es trotz der Verwendung von Kronkorken für das Verschließen von Weinflaschen (zu wissenschaftlichen Zwecken) lange Zeit Kronkorken nur für die Lagerung von Champagnern (in Deutschland dann später den Sekten) gab. Die Mündung einer Sekt-/Champagnerflasche ist durch das dickwandigere Glas (Sicherheitsgründe!) größer als die Mündung einer Weinflasche, daher passen solche Kronkorken nicht. Es gab deshalb das ganz einfach technische Problem, dass es für die kleinere Mündung der Weinflaschen nicht die richtige Größe der Kronkorken in Edelstahl gab!

Mein Mann Peter Jakob und ich favorisieren schon lange einen Verschluß der Flaschen mit einem Edelstahlkronkorken. Als wir anläßlich eines Besuchs der Fachmesse "Intervitis" in Stuttgart im Jahr 1995 in der Halle der Glashersteller und Korken-Firmen das Thema "Kronkorken" ansprachen, ernteten wir nur eine müdes Lächeln - für einen "scheinbar etwas Verrückten"!

Es hat daher noch einige Zeit gedauert und der Druck auf die Industrie mußte noch wachsen bis man bereit war, sich der Lösung des Problems zu widmen. Maßgeblich zur Lösung beigetragen hat dann Peter Querbach, der den Kronkorken von der Optik her so mit der Flasche "vermählte", dass eine sehr elegante Flaschenform mit verdecktem Kronkorken entstanden ist!

Für uns hat der Kronenkorken gegenüber dem Drehverschluss mehrere Vorteile: die Abdichtung der Flasche ist sehr gut, Flasche und Verschluss sind auf 10 Bar Druck geprüft. (Schraubverschlüsse garantieren etwa 3-4 Ba) Das Material "Edelstahl" ist für Kronkorken einsetzbar - nicht für Schraubverschlüsse. Die Edelstahlkronkorken rosten auch bei längerer Lagerung in evtl. etwas feuchteren Räumen (Kellern) nicht. Für uns als Familienbetrieb war auch die Frage der liegenden Lagerung mit entscheidend. Da wir nach der Abfüllung die Flaschen in Boxen liegend lagern, halten wir es für einen wichtigen Aspekt, dass dabei der Kronkorken keinem Druck der aufeinanderliegenden Flaschen ausgesetzt wird. Anders als bei Schraubverschlüssen, die bei dieser Lagerung dem ständigen punktukellen Druck von oben und unten ausgesetzt sind, wird der Kranz des Kronkorkens durch die untere Glaslippe des Flaschenhalses vor Druck geschützt. (Dies ist sicher kein Problem für größere Kellereien, die zeitgleich mit der Abfüllung auch Etikettieren und stehend (!) Verpacken und Palettieren. Dabei steht dann jede Flasche schon gesondert im eigenen Kartongefach - eine Lagerhaltung die uns leider nicht möglich ist). Soviel zu unseren Beweggründen, die uns wie geschildert schon etliche Jahre beschäftigen!

Hier im Rheingau haben (meines Wissens) außer uns die Weingüter Peter Querbach in Oestrich, Emmerich Himmel in Hochheim und Speicher-Schuth in Kiedrich schon Weine des Jahrgangs 2001 mit Edelstahlkronkorken abgefüllt. Kleinere Versuchsfüllungen hat es aber auch in anderen Weingütern schon gegeben. Ich weiß definitiv, dass auch in Franken und an der Mosel Flaschen so abgefüllt wurden! Inzwischen stellt die Glashütte Stuyvesand eine ganze Reihe von Flaschenformen mit der entsprechenden Mündung für Kronenkorken her - ein sicheres Zeichen dafür, dass die Nachfrage auch aus anderen Regionen (in denen man nicht die Schlegelflasche verwendet) steigt!

Die Resonanz des Handels auf Flaschen mit diesen Verschlüssen ist überwiegend sehr positiv. Etwa 80 % unserer Händler haben unsere Flaschen so in ihr Sortiment übernommen. Weine mit Edelstahlkronenverschlüssen haben wir auch exportiert: nach England, in die Niederlande, nach Italien, nach Spanien und in die USA!

Viele Grüße
Ihre Angela Kühn für Weingut Peter Jakob Kühn

PS: Wenn Sie die Diskussion weiter verfolgen möchten oder selbst mitdiskutieren - schreiben Sie in unser Gästebuch oder gehen Sie zu www.best-of-wine.de
Ein Jahr Erfahrung mit der stainlesscap - Interview mit Frau Kühne im Wein-Plus Magazin